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Vom Erzeuger bis zum Verbraucher: Wie eine neue Genossenschaft hilft, heimische Lebensmittel zu vermarkten
Regionale Produkte statt anonyme Massenware |
Äpfel aus Neuseeland, Schinken aus Italien, Erdbeeren aus Spanien: Die Globalisierung kennt auch im Lebensmittelbereich keine Grenzen. Die anonyme Massenware wird oftmals um die halbe Welt verschickt, bevor sie in den Regalen der heimischen Supermärkte landet. Nicht selten leidet die Qualität durch die langen Transportwege und -zeiten. Auch die Umwelt kann dadurch in Mitleidenschaft gezogen werden. Die Vermarktungsgenossenschaft Region aktiv Chiemgau-Inn-Salzach, die im November 2007 in Altötting gegründet wurde, möchte dem entgegenwirken. Unter dem Namen „Region aktiv“ vermarktet sie umweltschonend gentechnikfreie Nahrungs mittel wie Fruchtsäfte, Honig, Eier, Nudeln, Obst oder Gemüse in den Landkreisen Altötting, Berchtesgadener Land, Mühldorf am Inn, Rosenheim und Traunstein. Die Marke soll sich branchen übergreifend als Qualitäts- und Herkunftszeichen etablieren. Vor allem im Zuge der Lebensmittelskandale ist bei den Verbrauchern ein Bewusstsein für Herkunft, Herstellung und Inhalte der Produkte geschaffen worden. „Heute ist es den Menschen wichtig, wo die Ware herkommt und was in den Lebensmitteln drin steckt, die sie essen – und das kommt uns sehr entgegen“, sagt Franz Schiefer, Vorstandsvorsitzender der Genossenschaft. Ebenfalls positiv wirke sich aus, dass der Gesetzgeber seit kurzem erlaubt, gentechnikfreie Produkte auch als solche zu kennzeichnen. Die Idee der gemeinsamen Vermarktung ist einfach: Lebensmittel werden innerhalb einer Region produziert, verarbeitet, gehandelt und konsumiert. Die gesamte Wertschöpfungskette soll so vor Ort bleiben. Die regionalen Lebensmittel und Produkte der Erzeuger werden in der Vermarktungsgenossenschaft gebündelt und dem Lebensmittelhandel angeboten. Es gibt eine gemeinsame Artikelliste und eine Abrechnungsstelle für den Lebensmitteleinzelhandel. Erfüllt der Erzeuger die Richtlinien der Genossenschaft, so kann er seine Produkte über Region aktiv vermarkten. Die Lieferanten verschwinden dabei nicht unter einer Dachmarke, sondern jeder Endverbraucher kann lesen, wer diese Waren produziert hat. Ein Beispiel macht dies deutlich: Der Landwirt bringt seine gentechnikfrei erzeugten Eier, die den hohen Qualitätsrichtlinien der Genossenschaft entsprechen, zu einem örtlichen Logistiker, den die Vermarktungsgenossenschaft für die Auslieferung der Lebensmittel beauftragt hat. Dieser verfügt über geeignete Lagerhallen und Kühlräume. Er kommissioniert die Ware für die örtlichen Lebensmittelgeschäfte, Hofläden und Naturkostläden in der Region. Derzeit befindet sich das Vorhaben der Genossenschaft noch in der Anfangsphase. Oberstes Ziel der Genossenschaftsgründung war es, die Erzeuger und Verarbeiter zu bündeln, um Lebensmitteleinzelhändler professionell mit gentechnikfreien Produkten zu beliefern. „Weil über 80 Prozent der Lebensmittel bei Discountern und Supermärkten gekauft werden, ist es wichtig, dass heimische Produkte auch dort in den Regalen zu finden sind“, sagt Schiefer. Der Lebensmitteleinzelhandel sei daher ein wich tiger Ansprechpartner für die Genossenschaft. Bereits Ende April sollen dort die ersten Region-aktiv-Produkte zum Verkauf angeboten werden. Ursprünglich war geplant, für die Umsetzung des Vorhabens eine GmbH zu gründen. Dazu hätten die Initiatoren aber erhebliches Grundkapital aufbringen müssen. „Die hohe Summe war aber nicht das Hauptproblem“, sagt Schiefer. Denn es gebe starke Erzeuger und Verarbeiter, die das Geld aufgebracht hätten. „Uns war aber bewusst, dass eine breite Zustimmung im Rahmen einer Genossenschaft zu mehr Aktivität anspornt“, so der Vorstand. Die Geschäftsführung solle nicht als Einzelkämpfer dastehen, sondern gemeinsam mit allen Mitgliedern eine vernünftige transparente Regionalvermarktung voranbringen. Genau das sei der Antritt der Gründer: Die Wertschöpfung regionaler Produkte solle bei den örtlichen Erzeugern bleiben, die Preise nicht vom Handel diktiert werden. „Den Grundgedanken, alle mitzunehmen und eine regionale Identität zu schaffen, sehen wir bei einer Genossenschaft besser verwirklichbar als bei einer GmbH“, sagt Schiefer. Die Teilnahme, das Mitmachen für den Einzelnen sei bei einer eG einfacher, der Genossenschaftsanteil für jeden bezahlbar. Mittlerweile hat die Genossenschaft über 30 Mitglieder, hauptsächlich Landwirte, Verarbeiter und Erzeuger aus der Region. Und die Initiatoren sehen sich erst am Anfang. In Zukunft möchte die Genossenschaft auch mit Kleintiernahrung wie abgepacktem Heu und Stroh unter dem Logo „Region aktiv“ die Supermarkt-Regale füllen. „Zudem möchten wir auch die Gastronomien, Metzgereien und Bäckereien der Region für unsere Geschäftsidee begeistern und mit ins Boot holen“, sagt Schiefer.
sr
Profil (Genossenschaftsverband Bayern) 5/2008
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