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Warum sich immer mehr Schornsteinfeger in der Rechtsform eG organisieren
Schwarze Genossen |
| Lange Zeit war die Karriere eines Kaminkehrers vorhersehbar: Nach der Lehre und den Gesellenjahren bewarb sich der junge Schornsteinfeger- meister um einen eigenen Kehr- bezirk. Bekam er diesen zuge- sprochen, wurde er zwar nicht reich, aber das Auskommen bis zur Rente war gesichert. Diese Zeiten werden bald vorbei sein. 2013 fällt das Monopol der Kaminkehrer. Von da an dürfen nicht nur die Kollegen aus dem Nachbarbezirk um neue Kunden |
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werben, sondern Mitbewerber aus ganz Europa. Im streng regulierten Schornsteinfegergewerbe ist die Marktwirtschaft ausgebrochen. Die Meinungen in der Branche über diese Entscheidung gehen auseinander: „Das alte System hatte sicherlich Vorteile: Der eigene Bezirk garantierte den Kaminkehrern ein kalkulierbares Einkommen und den Kunden sozialverträgliche Preise“, sagt Alfred Köbler, Bezirkskaminkehrmeister in Freystadt in der Oberpfalz. Dennoch begrüße er die Öffnung des Markts. „Ich glaube, dass die Chancen die Risiken überwiegen.“ Seinen Optimismus begründet er damit, dass mit dem Monopol auch das Nebentätigkeitsverbot der Schornsteinfeger fällt. Es begrenzte ihr Arbeitsfeld bislang auf Imissionsmessung, Überprüfung und Reinigung von Abgasanlagen sowie Feuerstättenkontrolle. Künftig dürfen Kaminkehrer auch in anderen Bereichen arbeiten, etwa in der Feuerstättenreinigung, der Energie- und Schimmelberatung. Doch gibt es auch Stimmen, die den Wegfall des Monopols kritisch sehen. Das Monopol sicherte faktisch einen lebenslangen Arbeitsplatz, sein Wegfall bedroht die Existenz vieler Betriebe. Zudem gebe es auch Gefahren für den Kunden, erklärt Köbler: In Städten drohe einerseits ein Verdrängungswettbewerb, während andererseits auf dem Land langfristig eine Unterversorgung entstehen könnte. „Der Besuch abgelegener Bauernhöfe rentiert sich nicht zu den aktuell sehr günstigen Gebühren.“ Hier seien große Preissteigerungen zu erwarten, prognostiziert Köbler. Aufgrund dieser Veränderungen kann man in Bayern gerade einen regelrechten Boom von Genossenschaftsgründungen durch Schornsteinfeger beobachten. Die genossenschaftliche Unternehmensform soll Kaminkehrern beim Weg in den freien Wettbewerb unterstützen. So gründet sich in Nürnberg die Bayerische Schornsteinfeger Service eG. Als klassische Einkaufsgenossenschaft soll sie die Nachfrage der Imissionsexperten in Mittelfranken, Schwaben und Niederbayern bündeln. Letztgenannter Regierungsbezirk erlebt zudem die Gründung der Niederbayerischen Kaminkehrer Genossenschaft. Sie wird künftig die Weiterbildungsaktivitäten der Schornsteinfeger auf ihrem Weg zum Energieberater und Servicedienstleister koordinieren. In der Oberpfalz gründet Köbler gerade mit seinen 17 Kollegen aus dem Kreis Neumarkt die Bayerische-Kaminkehrer-Genossenschaft-eG (BKG). Das Ziel der schwarzen Genossen ist allerdings nicht, die Schornsteinfeger im Freistaat unter einem Dach zu vereinen, wie der Name vielleicht vermuten lässt. „Wir haben unseren Namen gewählt, weil wir hoffen, dass unser Beispiel eine Leuchtturmfunktion einnehmen kann.“ Doch grundsätzlich glaubt Köbler, dass regionale Strukturen in seinem Handwerk besser seien. Ziel der Genossenschaft ist es, künftig gemeinschaftlich aufzutreten statt sich durch Kanibalisierung das Leben schwer zu machen. Langfristig wollen die Kaminkehrer eineArtMarke aufbauen, insbesondere in den neuen Geschäftsfeldern wie der Bau-, Sanierungs- und Energieberatung. Außerdem sollen teure Geräte künftig gemeinsam beschafft und genutzt werden. „Anfänglich spielten wir mit dem Gedanken, unsere Dienstleistungen unter dem Dach einer GmbH anzubieten“, erinnert sich Köbler. „Doch dann wurde uns klar, dass das widersinnig ist: Wir wollten uns ja gerade zusammenschließen, um unsere Selbstständigkeit zu bewahren.“ Die Entscheidung für die Rechtsform der eingetragenen Genossenschaft sei daher leicht gefallen. „Nichts verbindet die Stärken eines Netzwerks so gut mit den Vorzügen der Selbstständigkeit wie die Genossenschaft“, sagt der Oberpfälzer. In wenigen Wochen werden die Kaminkehrer auf der regionalen Handwerkermesse zum ersten Mal gemeinsam auftreten. „Der Kunde soll uns dort nicht mehr als Herr Mayer und Herr Huber wahrnehmen, sondern als die Energieexperten von der BKG“, so Köbler. Denn Zusammenarbeit werde in der Zukunft noch wichtiger werden. „Unser Gewerbe ist technisch höchst anspruchsvoll.“ Kein Kaminkehrer könne langfristig alle Dienstleistungen alleine anbieten. Die Kunden von Genossenschaftsmitgliedern werden deshalb kein „entschuldigen Sie, aber ich kann Ihnen dabei nicht helfen“ hören, sondern „mein Kollege von der BKG ist Ihnen da gerne behilflich“, erklärt Köbler. hh
(Erschienen in Profil 8/2009)
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