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Genossenschaft statt Franchising

Mr. Sub - Die Genossenschaftsgründer entschlossen sich für einen einheitlichen Marktauftritt


Hilfe zur Selbsthilfe. Dieses Wesensmerkmal einer Genossenschaft war der Auslöser. Die Neugründung heißt EDS eG, Einkaufsgenossenschaft Deutscher Systemgastronomen, mit Sitz in Karlsruhe. Ihre zum Großteil mittelständischen Mitglieder sind ehemalige Franchise-Nehmer.

Ein sonniger Morgen Anfang Mai: Im kleinen Büro hinter dem weitläufigen Restaurant im Erdgeschoss des großen  Geschäftshauses in der Karlsruher Innenstadt sitzt Frieder Dreher am PC und übermittelt seinem Logistik-Dienstleister eine Großbestellung. Der mittelständische Unternehmer, der sieben Sandwich-Restaurants mit rund 50 Mitarbeitern in Karlsruhe, Pforzheim und Gaggenau betreibt, tut dies neuerdings als Gründungsmitglied einer Genossenschaft. „Ganz am Anfang dachte ich: Genossenschaft ist eine verstaubte Unternehmensform aus dem 19. Jahrhundert. Weit gefehlt, die eG ist hochmodern und passt genau zu unseren Anforderungen", sagt Frieder Dreher. Bis vor kurzem war er Franchise-Nehmer der internationalen Sandwich-Restaurant- Kette Subway, nun ist er Vorstandsvorsitzender einer Einkaufsgenossenschaft.
Michael Roth, Neugründungsberater des Baden-Württembergischen Genossenschafts-verbandes, hat den mit Subway seit langem Unzufriedenen von den Vorteilen einer Genossenschaft überzeugt, als Frieder Dreher mit ihm „Schnupperkontakt" aufnahm. Genossenschaften und Franchising sind auf den ersten Blick ganz ähnliche Organisationsformen. Bei beiden agieren die Einheiten an der Basis, also das Genossenschaftsmitglied und der Franchise-Nehmer, selbstständig. Beide stützen sich zudem auf hierarchische Klammern. Diese gehen bei den Genossenschaften von unten nach oben, während es sich beim Franchising umgekehrt verhält. Franchise-Nehmer beziehen ihre Identität aus ihrer Verbindung zum Franchise-Geber. In einer Genossenschaft sind die Mitglieder das bestimmende Element, sind in basisdemokratische Strukturen eingebunden. Die beiden Modelle sind daher trotz einiger Gemeinsamkeiten fundamental verschieden.

Gemeinsame Dachmarke
„Die Genossenschaftsgründung und die Schaffung einer gemeinsamen Dachmarke ,Mr. Sub - Gestatten gut', die als Wort- und Bildmarke beim Deutschen Patent- und Markenamt angemeldet ist, waren richtige Entscheidungen", ist Dreher überzeugt. Denn die EDS wächst schnell. „Wir waren Ende Juni 2010 neun Gründungsmitglieder. Jetzt im Mai 2011 sind es schon an die 60 Restaurants, die in der Genossenschaft mitmachen. Zum Jahresende soll unsere Mitgliederzahl dreistellig sein", nennt Dreher die Zielsetzung und ist dabei sehr zuversichtlich.

Klassische Funktion der eG: gebündelter Einkauf
„Mein Ansatz war es, nicht vom Regen in die Traufe, also von Subway in ein ähnlich gelagertes Franchise-Modell zu wechseln, sondern selbstbestimmt unter Gleichberechtigten agieren zu können", erläutert Dreher. Da passt die Rechtsform der Genossenschaft optimal. „Zudem ist der Eintritt ebenso unproblematisch wie der Austritt." Mit seinen Mitstreitern Nicole Blechschmidt, jetzige Aufsichtsratsvorsitzende der EDS, und seinem Vorstandskollegen Dr. Christian Jung, beide ebenfalls ehemalige Franchise-Nehmer von Subway, baut er die Einkaufgenossenschaft auf. Die EDS organisiert die Lieferkette für die Zutaten, die es für die Zubereitung von Sandwiches braucht, plant die übergreifende Marketingstrategie und sorgt für die Distribution der eingekauften Waren an die Mitglieder mittels eines Logistik-Dienstleisters. Dabei kommen die klassischen Vorteile einer Einkaufgenossenschaft zum Tragen: Der gebündelte Einkauf schafft größere Mengen, die entsprechende Preisvorteile mit sich bringen.
„Wir versuchen den Spagat zwischen unternehmerischer Freiheit der einzelnen Genossenschaftsmitglieder und der Einführung und Pflege einer gemeinsamen Marke", sagt Dreher. Wer EDS-Mitglied werden will, muss die Dachmarke „Mr. Sub" nutzen. Ebenso obligatorisch ist ein definiertes Angebot an Essen und Trinken. In jedem Mr.-Sub-Restaurant gibt es wiedererkennbare Essensangebote. Die obligatorische Produktpalette ist vertraglich geregelt. Darüber hinaus kann jedes EDS-Mitglied individuelle Angebote machen.

Aus der Region in die Republik
Das Konzept hat Zukunft. Denn das EDS-Netzwerk, seit Jahresbeginn 2011 im Genossenschaftsregister eingetragen, breitet sich kontinuierlich vom Südwesten der Republik über ganz Deutschland aus. „Wir haben Mitglieder aus Bayern, Hessen und Rheinland-Pfalz, aus dem Saarland ebenso wie aus Nordrhein-Westfalen." Eine aktive Mitgliederakquise ist nicht nötig. „Man kennt sich untereinander in der Branche. Der Zulauf erfolgt quasi von alleine." Eine Mitgliederobergrenze gibt es nicht. „Wir haben aber nicht das Ziel, die Größten zu werden, sondern wir wollen ein hochwertiges Produkt am Markt etablieren." Frieder Drehers Zwischenfazit: „Die Genossenschaft entwickelt sich absolut erfolgreich. Der Markenauftritt ist gelungen. Die Umsatzkurven der Mitglieder zeigen nach oben." Er lächelt an diesem Frühlingstag im Mai mit der Sonne um die Wette.

(aus GenoGraph 6/2011)

 


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