Am 30. Juli 2009 wurde in Falkenau bei Chemnitz der zweite Bürgerkonsum im Freistaat Sachsen eröffnet. Nachdem ein knappes Jahr davor, im Oktober 2008, die Genossenschaft „Unser Laden Falkenau“ eG gegründet wurde, kann man inzwischen auf 120 000 Einkäufe in zwei Jahren zurückblicken.
„Die Bilanz der beiden ersten Jahre unserer Arbeit mit unserem Markt ist rundherum erfolgreich und stimmt uns auch für die Zukunft zuversichtlich“, resümiert der Vorstandsvorsitzende der Genossenschaft, Thilo Walther. „Zum Zweijährigen konnten wir am Tag nach dem Jubiläum den 120.000sten Käufer begrüßen.“
Das kleine Verkäuferinnen-Team um Marktleiterin und Vorstandsmitglied Gabriele Hübner ist stolz darauf, dass ihnen in derselben Besetzung seit der Eröffnung so vieles gut gelungen ist. „Die erreichten Umsatzzahlen liegen 30 Prozent über dem, was wir uns ursprünglich vorgenommen hatten“, so Thilo Walther. Auch der durchschnittliche Umsatz je Einkauf stimme. Das alles hätten wohl nur Optimisten so erwartet.
Zu den Puzzle-Steinen des Erfolgs-Konzeptes gehören u. a. das Sortiment, die Öffnungszeiten, ein (Platten-)Bestell-Service, das Mitwirkungsrecht der Mitglieder und der Teamgeist.
„Wir bieten derzeit ca. 5 000 Artikel als Sortiment auf unserer 200 Quadratmeter umfassenden Verkaufsfläche an“, erläutert die Chefin des 4-Frauen-Teams Gabriele Hübner, „davon sind viele – so insbesondere beim Feinkostsortiment, bei Wurst und Fleisch am eigenen Verkaufsstand – von regionalen Anbietern“. Darüber seien Besucher von außerhalb ebenso erstaunt wie von der Qualität und dem Sortiment an Obst und Gemüse im Frische-Regal. „Für unsere Stammkunden ist das längst selbstverständlich.“ Mit Nachdruck verweist sie darauf, dass „wohl eigentlich jeder realisierbare Wunsch“ der Kunden-Mitglieder bei Veränderungen im Sortiment – oder als neuer Saisonartikel – berücksichtigt worden ist. Im Fokus seien neue Artikel, „die unsere Eigentümer und Kunden aus der Werbung bzw. dem Sortiment von Wettbewerbern kennen“ sowie Produkte von regionalen Anbietern – so Molkereiartikel, Tiefkühlware, Nährmittel oder Haushaltchemie, natürlich auch von genossenschaftlichen Anbietern und Direktvermarktern. „Lösbares wird umgesetzt, Nicht-Lösbares wird mit den Kunden besprochen. Das ist die entscheidende Chance neben bedarfsgerechten und großzügigen Öffnungszeiten!“
Gemeinsam sichern wir die Zukunft
„Das bislang Erreichte zeigt, das Modell, einen Markt als Genossenschaft zu betreiben, kann funktionieren, wenn sich die Einwohner und die Gemeinde(vertreter) einig sind“, meint Thilo Walther rückblickend. Heute sind 300 Einwohner Mitglied in der „Unser Landen Falkenau eG“. Und diese kaufen quasi alles hier, nicht nur das, was sie beim Shoppen in Chemnitz vergessen haben. „Ein Bürgerkonsum als Genossenschaft bedeutet für die Einwohner, Eigentümer zu sein, Mitspracherecht beim Sortiment und den Öffnungszeiten zu haben.“ Zudem sei es ein schönes Gefühl, im eigenen Markt einkaufen zu können.
Selber handeln – Chance für die Region
„Wie die Eröffnung des genossenschaftlichen Marktes unweit von Chemnitz vor zwei Jahren zeige, ist das Betreiben eines gemeinschaftlichen genossenschaftlichen Einkaufscenters – als ein zentraler Punkt bei der Daseinsvorsorge – für die Lösung der Problematik Nahversorgung in ländlichen Regionen sowie in Stadt-Randlagen eine gute Möglichkeit“, bekräftigte Dietmar Berger, Präsident des Mitteldeutschen Genossenschaftsverbandes, anlässlich des kleinen Jubiläums. „Nach dem Frischemarkt Bad Schlema ist dies der zweite gemeinschaftlich von den Einwohnern der jeweiligen Region als Genossenschaft betriebene Markt“, so Berger weiter.
Was lag, nachdem 2006 das letzte Lebensmittelgeschäft geschlossen wurde, näher, als selbst die Initiative zu ergreifen? Und: Kann sich ein solcher Markt in einer Gemeinde mit ca. 1 100 Haushalten rechnen? „Ja, denn wir sind für einen Großteil dieser Familien der Versorger geworden. Unser Markt liegt neben dem Club des Seniorenvereins, die hier am Mittag essen, sowie in der Nähe vom Kindergarten und damit auf dem Weg der Muttis und Vatis nach Hause – also für alle günstig“, antwortet Bürgermeister Martin Müller. Eines Tages soll hier im Ortszentrum noch eine Arztpraxis die Betreuung für die Senioren ergänzen…“
(Presseinformation des Mitteldeutschen Genossenschaftsverbands (Raiffeisen/Schulze-Delitzsch) e.V.)
|